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Auftreten von Colletotrichum, Sclerotinia und Botrytis in Kartoffel

Aktuelles Kartoffeln
29.08.2016

Kartoffelexperten im Gespräch: Interview mit Mark Mitschke (Landwirtschaftlicher Beratungsdienst Heilbronn) und Albert Mollen (Syngenta) 
 
Neben den Haupterregern Phytophthora und Alternaria werden zunehmend auch weitere Blattkrankheiten im Kartoffelanbau beobachtet. Syngenta führte 2015 erstmalig eine breit angelegte Umfrage zum Auftreten von Blattkrankheiten in Kartoffeln durch. Die private Anbauberatung und Syngenta geben Einschätzungen für geeignete Fungizidstrategien.
 
Herr Mitschke, seit wann beobachten Sie im Kartoffelanbau - neben Phytophthora und Alternaria – auch andere Blattkrankheiten?
Seit mehr als 20 Jahren finden wir Symptome, die weder Phytophthora noch Alternaria zuzuordnen sind. Nähere Untersuchungen ergaben, dass es sich um Blatt- oder Stängelkrankheiten wie Botrytis cinerea, Sclerotinia sclerotiorum, Colletotrichum coccodes sowie Verticillium handelt.

Mark Mitschke

 

Mark Mitschke
Seit 25 Jahren Anbauberater für Kartoffeln beim Landwirtschaftlichen Beratungsdienst Heilbronn. Dieser wurde 1989 gegründet und berät in allen Fragen des Anbaus und der Vermarktung derzeit 500 Mitglieder mit rund 6.500 ha Anbaufläche in Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. Auslandsprojekte in Chile und der Mongolei werden ebenfalls betreut.

 

 
Herr Mollen, Ihr Unternehmen hat sich der Frage der Verbreitung von Krankheiten wie Colletotrichum, Botrytis und Sclerotinia im deutschen Kartoffelanbau intensiver gewidmet. Wie ist hier der Stand?
Wir haben 2015 mehr als 250 Kartoffelanbauer zu diesem Thema befragt. Rund drei Viertel der Landwirte haben diese Krankheiten auf ihren Kartoffelschlägen beobachtet. Die meisten eher unregelmäßig, aber je nach Krankheit gab es auch immer wieder regelmäßiges Auftreten. Am Stärksten traten Grauschimmel (Botrytis cinerea) und die Colletotrichum-Welkekrankheit auf. Interessanterweise wurden dabei kaum Unterschiede zwischen den einzelnen Kartoffelanbaugebieten festgestellt.
 
Herr Mitschke, nehmen diese Krankheiten nach ihren Beobachtungen zu? Wenn ja, welche Hauptgründe sehen Sie dafür?
Grauschimmel sowie Colletotrichum nehmen auf jeden Fall zu. Hauptgründe sind die höheren Temperaturen in letzter Zeit, die höhere Feuchtigkeit in manchen Jahren sowie die vermehrten Stressbedingungen durch das Klima generell. Weitere mögliche Ursachen sind Sortenempfindlichkeiten. Hierzu laufen derzeit verschiedene Forschungsprojekte in Österreich und Deutschland.
 
Wie schätzen Sie die Ertragsrelevanz dieser Krankheiten ein?
Wir sehen jahresbedingt größere Unterschiede. Wenn die Bedingungen für die Kultur schwierig und für die Erreger günstig sind, wie gerade geschildert, kann es zu Mindererträgen von 10 bis 20 % kommen.
 
Herr Mollen, was weiß man über die Wirksamkeit der derzeitigen Wirkstoffe gegen Colletotrichum, Sclerotinia und Botrytis?
Betrachten wir die Wirkstoffe unserer Produktpalette, lässt sich Folgendes festhalten: Azoxystrobin, der Wirkstoff von Ortiva, hat bekanntlich ein sehr breites Wirkungsspektrum. Aus verschiedenen Spezialkulturen kennen wir seine hervorragende Wirkung gegen Colletotrichum. Gegen Sclerotinia ist das Produkt Ortiva im Raps zugelassen. Aus dem Weinbau wissen wir, dass Azoxystrobin eine passable Zusatzwirkung gegen Botrytis hat. Der Wirkstoff Difenoconazol, die Alternaria-Komponente in Revus Top, hat eine gute Kurativleistung gegen Colletotrichum. Auch gegen Sclerotinia werden sichtbare Effekte erzielt.

Albert Mollen Albert Mollen
Seit 1980 Mitarbeiter bei Syngenta. In der Kultur Kartoffel hat er zahlreiche Produkteinführungen begleitet wie z.B. Ridomil MZ, Racer oder Gambit. Heute ist er Marketingkoordinator im Verkaufsgebiet Süd.
 

 
Herr Mitschke, wie müsste eine Fungizidstrategie aussehen, bei der neben Phytophthora und Alternaria auch die anderen genannten Krankheiten sicher erfasst werden?
Erst einmal müssten diese Krankheiten innerhalb der Krautfäule- bzw. Alternaria-Strategie mit erfasst werden und zwar nach Möglichkeit durch ein und denselben Fungizideinsatz. Von Vorteil wären hier Produkte, die neben den Haupterregern auch die genannten Krankheiten miterfassen. Bezüglich eines optimalen zeitlichen Ablaufs der Maßnahmen z.B. gegen Colletotrichum wissen wir aber noch zu wenig. Im Sinne eines integrierten Pflanzenschutzes wären Voraussagen zum Auftreten dieser Krankheiten sehr wünschenswert. Diese müssten die Empfindlichkeiten der Sorten, Boden, Wetter und Fruchtfolge berücksichtigen – also noch ein weites Feld für die Wissenschaft.
 
Herr Mollen, wenn Sie das Spektrum an Blattkrankheiten betrachten: Welche Empfehlungen können Sie Landwirten geben?
Ich stimme Herrn Mitschke zu, dass es Ziel sein muss, Krankheiten wie zum Beispiel Colletotrichum im Rahmen der Standardspritzfolgen mit zu erfassen. In Bekämpfungspro-grammen, die 6 bis 7 Wochen nach dem Auflaufen starten, mit beispielsweise je zwei Anwendungen von Revus Top und Ortiva - in Kombination mit Carial Flex oder Revus -  werden Phytophthora, Alternaria und auch die weiteren, genannten Krankheiten gut erfasst. Spezielle Maßnahmen sind derzeit aus unserer Sicht nicht notwendig.

Wir danken für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Hintergrundinformation zu Erfahrungen zum Auftreten und zur Bekämpfung weiterer Blattkrankheiten im Kartoffelanbau
www.syngenta.at/kartoffeln